Wie den Einzelhandel sicher geöffnet lassen?

Veröffentlicht am 18.03.2021 in Unterwegs
Die Geschäftsführer der Einkaufszentren und Ute Vogt stehen in den Passagen vor den Schaufenstern der Ladengeschäfte
Gespräch mit den Center-Managern von Milaneo und Königsbau Passagen

Das war die Kernfrage bei meinem Gespräch mit den Center-Managern von Milaneo und Königsbau-Passagen beim Besuch vor Ort. Denn sollte die Inzidenz wieder auf über 100 steigen, wäre auch die Notlösung "Click&Meet" nicht mehr möglich - und das, obwohl selbst das Robert-Koch-Institut dem Einzelhandel ein niedriges Infektionsrisiko bescheinigt.

Es sind recht wenig Menschen an diesem späten Nachmittag im Königsbau unterwegs, einzig vor dem Elektronikanbieter bildet sich eine kurze Schlange. Es gibt Desinfektionsspender, Laufmarkierungen, Abstand, Durchsagen. Man merkt den Geschäftsführern, Herrn Keuthen vom Milaneo und Herrn Hilbing von den Königsbau Passagen, an, dass sie diese Form von "Einkaufserlebnis" gerne anders hätten. So entspricht es so gar nicht ihrem Wunsch nach einladender und kundenorientierter Dienstleistung. 
Click&Collect - also vorbestellen und an der Türe die Ware abholen - war nur ein kleiner Lichtblick. Aber Click&Meet - schon vorher einen Termin ausmachen -  funktioniert in der Realität einfach nicht. Hier übersteigen die Kosten der Ladenöffnung den Umsatz, vom Gewinn gar nicht zu reden. Viele Ladengeschäfte öffnen daher nicht oder nur zu beschränkten Zeiten und diejenigen, die offen halten, erzielen keinen nennenswerten Umsatz. Eine Mitarbeiterin eines Modegeschäfts berichtet uns von ganzen 5 Kunden an diesem Tag. Und das in einem Laden, der sonst an Samstagen Kundschaft im vierstelligen Bereich zählt. 

Der Handelsverband Deutschland hat darum einen Stufenplan als Vorschlag entwickelt, der auch die Belegung der Intensivbetten mit berücksichtigt. So wären Öffnungen möglich z.B. bei einer Inzidenz von 100 - 200, wenn unter 12 % der Betten mit Covid-Patienten belegt seien. Ziel ist, dass man dauerhaft gültige Regeln schafft. Richtung Sommer, wenn immer mehr die Impfungen greifen und das Wetter mithilft, Ansteckungen zu verringern, wäre die Öffnung ohne Quadratmeter-Begrenzung das Ideal. Selbstverständlich aber weiterhin mit Maske. 

Dass andere Wirtschaftsbereiche und Produktion quasi normal arbeiten, während dem Handel soviel abverlangt wird, wird nicht nur als ungerecht empfunden. Es führt inzwischen für viele zum Überlebenskampf. Einige früher durchaus bekannte und beliebte Geschäfte mussten bereits aufgeben. Milaneo und Königsbau wollen und müssen ihre Gewerbemieterinnen und -mieter halten. Damit das gelingt, werben sie für ihren Plan und damit für eine zügige Erlaubnis zu öffnen. 

Betroffen macht auch das Gespräch mit einem Restaurantbetreiber, der nur noch zum Mitnehmen verkaufen kann. Der Gastwirt berichtet von hohen Investitionen für Belüftung und Hygienemaßnahmen, für den Spezialschirm und den Windschutz in seiner Außengastronomie. Er wirbt damit, dass seine Lüftungsanlage bis zu 10 Mal in der Stunde die komplette Raumluft durch Fischluftzufuhr erneuert - aber er darf nicht öffnen. Schlimmer noch: Es gibt noch keinen Plan der Landesregierung, wie sie den Stufenplan des Bundes umsetzen will und wie es für die Gastronomie ab dem 22. März weitergehen soll. Planbarkeit: Null. 

Solche Eindrücke von der Lage vor Ort sind auch für die Debatte in Berlin wichtig. In jeder Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion diskutieren wir die konkreten Folgen der Pandemie und der Maßnahmen für unsere Wahlkreise. Natürlich gibt es für betroffene Unternehmen auch Hilfsgelder und Unterstützung. Das ersetzt allerdings nicht den Umsatz und Gewinn, der am Ende durch die Arbeit erzielt wird. 

Und noch etwas: Ganz so leer wie auf dem Foto war es im Königsbau nicht - für das Bild haben wir eine Lücke genutzt.
 

 

YouTube

Ute Vogt informiert

Ausgabe Mai 2021 (PDF 1,32 MB)

Den Newsletter "Ute Vogt informiert" automatisch monatlich per E-Mail erhalten:  

 
Durch das Bestellen des Newsletters stimmen Sie der Datenschutzerklärung zu.
Sie können den Newsletter jederzeit per E-Mail abbestellen.
 

Netzwerk

Netzwerk Berlin

Twitter

SocialMedia

Ute Vogt bei Twitter RSS-Feed der Webseite von Ute Vogt