Das Recht von Mädchen auf Bildung und Gesundheit in Krisen- und Konfliktgebieten

Veröffentlicht am 20.05.2019 in Reden/Artikel

"Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern“, so hat es Nelson Mandela treffend formuliert. Und ich will anfügen: Wer bei der Bildung von Mädchen ansetzt, gibt nicht allein einem einzelnen Menschen eine Chance, sondern löst in der Regel damit viele weitere Bildungserfolge in den Familien aus.

Deshalb freue ich mich über den Antrag, der die Mädchenbildung im schwierigsten Umfeld in den Mittelpunkt und damit bei uns auch im Bundestag zur Diskussion stellt. Dass der Antrag die Aufmerksamkeit zu einem anderen Zeitpunkt als jetzt nachts um 1.30 Uhr verdient hätte, brauche ich den jetzt noch Anwesenden nicht zu sagen.

Schauen wir in den Jemen ins Jahr 2012. Viele Schulen im Jemen sind wegen der gewaltvollen Konflikte im Land zerstört. 1,5 Millionen Kinder müssen innerhalb des Landes fliehen. Die Einschulungsquote lag 2012 bei 82 Prozent, davon brachen 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule bereits im ersten Jahr ab. Dabei sind die Mädchen besonders gefährdet, da sie meist früh verheiratet werden. Seit 2013 fördert die Bundesregierung deshalb im Jemen mit einem Gesamtvolumen von 14 Millionen Euro die Verbesserung der Bildungsqualität. Lehrkräfte werden ausgebildet, und – was in diesem fragilen Gebiet besonders wichtig ist – sie werden auch auf die besonderen Konfliktsituationen vorbereitet. Darüber hinaus gibt es mehr als 3 100 Schulsozialkräfte, die für psychosoziale Hilfe ausgebildet werden, um mit den Traumata der Kinder umgehen zu können. Zusätzlich werden in bislang 85 Schulen mehr als 500 sogenannte „Recreational Kits“ für die spielerische Bewältigung von Traumata zur Verfügung gestellt. Rund 95 000 Schülerinnen und Schüler, davon 56 Prozent Mädchen, profitieren von diesen Qualitätsverbesserungen. In 107 Pilotschulen gibt es aktive Väter- und Mütterräte, die bei der Planung und Umsetzung der Schulentwicklungspläne unterstützend mitwirken und dafür sorgen, dass der Schulprozess aufrechterhalten bleibt.

Ganz bewusst fördern wir Bildungsprojekte gerade in fragilen Regionen.

Denn es gibt viele Regionen, in denen Kinder und Jugendliche und besonders die Mädchen dringend Unterstützung brauchen. Weltweit ist bei 75 Millionen Kindern der Schulbesuch bedroht oder wird sogar ganz verhindert, zum einen durch Kriege, Bürgerkriege, Terror und Gewalt, aber zunehmend ebenso durch Naturkatastrophen wie aktuell den Zyklon Idai in Malawi und Mosambik.

Viele Kinder, gerade Mädchen, müssen zudem, auch ohne Krisen- oder Kriegszeiten, einen gefährlichen Schulweg auf sich nehmen. Sie sind auf ihren zum Teil sehr langen Wegen von Gewalt und Misshandlung bedroht und werden oft in maroden Schulgebäuden unterrichtet. Deshalb ist der „Education Cannot Wait“-Fonds wichtig. Die Bundesregierung fördert ihn bereits mit 31 Millionen Euro. Natürlich geht auch hier immer noch mehr.Aber wir sollten unser Engagement an dieser Stelle auch nicht kleinreden; denn es kann sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen, und wir tragen mit unserer Unterstützung dazu bei, dass UNICEF auch weiterhin die Kinder im Jemen, Südsudan, Tschad, in Syrien und vielen anderen Regionen unterstützen kann.

Eine weitere Initiative will ich herausstellen, nämlich unser Engagement für die frühe Bildung von Kindern im Rahmen der Globalen Bildungspartnerschaft. Deutschland hat diese mitbegründet, und wir haben seit 2008 gut 67 Millionen Euro in diesen Fonds investiert. Und die Mittel, die wir zur Verfügung stellen, steigen spürbar an. Bereits im letzten Haushalt wurden die Mittel verdoppelt. Auf Initiative der SPD wird auch im Haushaltsjahr 2019 die Summe für den Fonds ein weiteres Mal verdoppelt, auf nunmehr 37 Millionen Euro.Die Globale Bildungspartnerschaft kommt allen Kindern gleichermaßen zugute. Durch sie konnten in Entwicklungsländern bis 2018 bereits 72 Millionen Kinder mehr als 2002 in die Schule gehen. Und in Bezug auf das heutige Thema ist dabei wichtig, zu erwähnen, dass in gut 60 Prozent aller teilnehmenden Länder in den Grundschulen damit Geschlechtergerechtigkeit erreicht werden konnte. Der Fonds berücksichtigt also auch die besonderen Belange von Mädchen im Schulalter.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleiben natürlich viele Aufgaben. Allein nur mehr Geld zur Verfügung zu stellen, hilft nicht. Es braucht auch Menschen und Organisationen, die mit dem Geld sinnvoll arbeiten. Sprich, es muss auch hilfreich ausgegeben werden können.

Die Initiativen der Bundesregierung sind im Übrigen nicht allein für die Bildung der Mädchen und jungen Frauen von großer Bedeutung. Eine gesamte Gesellschaft, ein Staat profitiert von gut ausgebildeten Mädchen und Frauen.

Wenn auf Krisen der Frieden folgt, gilt es, die Heimat wieder aufzubauen und weiteren Krisen vorzubeugen. Dann heißt es zwar auch anpacken wie bei den Programmen „Cash for Work“, aber damit ist es nicht getan. Diese Länder brauchen dann Menschen, die kompromissbereit sind, die in schwierigen Lebenslagen gute Lösungsansätze ausarbeiten, die überlegt und demokratisch an politische Diskurse herantreten und deren Strategie ohne Waffengewalt auskommt.

Ich finde, die Stärkung von Mädchen und Frauen ist ein zentraler Schlüssel für gelingende Entwicklung eines Staates. Es lohnt sich, dieses Thema weiter zu beleuchten. In diesem Sinne freue ich mich auf die weitere Diskussion im Ausschuss.

Protokoll des Deutschen Bundestages (PDF)

 

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